CSD Stuttgart 2011 - GENERATION ZUKUNFT
Bundeskabinett beschließt Gründung der "Bundesstiftung Magnus Hirschfeld"

 

CSD Stuttgart freut sich über die Stiftungsgründung und gratuliert der ehemaligen Schirmherrin des CSD Stuttgart 2010 zu diesem Erfolg

Beim CSD Empfang im Stuttgarter Rathaus am 16. Juli 2010 hatte unsere damalige Schirmherrin die Gründung der Magnus Hirschfeld Stiftung auf Bundesebene bereits in Aussicht gestellt. Nun kann Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) Vollzug melden.

Am Donnerstag, den 31. August 2011 beschloss das Bundeskabinett die Stiftungsgründung und legt damit den Grundstein für eine Forschungseinrichtung, die Homosexualität in unserer Gesellschaft erforschen, Geschichte aufarbeiten und immer noch vorhandener Diskriminierung entgegenwirken soll.

Dazu erklärt Christoph Michl, Vorstand der IG CSD Stuttgart e.V.:

"Wir freuen uns über diesen wichtigen Vorstoß und gratulieren der ehemaligen CSD Schirmherrn Leutheusser-Schnarrenberger zu diesem Erfolg. Ihr jahrelanger und vehementer Einsatz für die Einrichtung einer solcher Stiftung hat sich gelohnt. Dafür gilt ihr unser größtmöglicher Dank.

Das Bundeskabinett erfüllt mit der Magnus Hirschfeld Stiftung nicht nur ein Versprechen des Koalitionsvertrages, es bündelt die Forschungsarbeit rund um das Thema Homosexualität auf höchster Ebene. So werden erstmals Mittel und Möglichkeiten geschaffen, um homosexuelle Geschichte in Deutschland nachhaltig aufzuarbeiten. Hier gilt es viel nachzuholen, nicht nur für die Zeit vor 1945, sondern explizit auch für die ersten Jahre unserer jungen Bundesrepublik Deutschland.

Auch wenn der Paragraph 175 des StGB ab 1969 abgeschwächt wurde und 1994 komplett aus der Gesetzgebung verschwand, so erschwert er bis heute die fundierte Vergangenheitsbewältigung – und diese ist nicht nur für Lesben, Schwule und Transgender wichtig, sondern für eine tolerante Gesellschaft insgesamt.

Hierzu wird die neue Stiftung sicherlich wichtige Unterstützungsleistung in Sachen Forschung, Diskussion, Förderung und Erinnerung bieten. Dies alles trägt zur Antidiskriminierung bei und ist essentiell für die weitere Gleichstellung von homosexuellen Mitbürgerinnen und Mitbürgern."

 

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Zu der Zustimmung des Bundeskabinetts zur Einrichtung der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld erklärt Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger:

Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld wird einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, die Diskriminierung von Lesben, Schwulen und Transgender in Deutschland abzubauen. Die Stiftung soll Anerkennung und Aufklärung für gleichgeschlechtliche Lebensweisen bewirken und so für mehr Respekt und Verständnis sorgen. Das ist ein wichtiger Schritt, um eine offene Gesellschaft zu fördern, damit das "Schubladendenken" morgen der Vergangenheit angehört. Eine offene Gesellschaft setzt auf die individuelle Freiheit und auf die Möglichkeit, persönliche Entscheidungen zur eigenen Lebensführung eigenständig treffen zu können.

Die im Koalitionsvertrag vereinbarte Stiftung soll mit Bildungsangeboten und gezielter Forschung homosexuelles Leben in Deutschland ergründen und erklären und in der Öffentlichkeit für mehr Achtung und Interesse werben. Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld soll Ausgrenzung und Gewalt gegenüber Lesben, Schwulen und Transgender verhindern und das von den Nationalsozialisten an den Homosexuellen verübte Unrecht erforschen. Diese Ziele werden nicht nur die Stiftungsarbeit prägen. Sie eröffnen auch die Möglichkeit, den wissenschaftlichen Diskurs genauso wie die politische Bildungsarbeit nachhaltig zu beeinflussen.

Darüber hinaus soll die Erinnerung an das sexualwissenschaftliche Werk des Namensgebers Dr. Magnus Hirschfeld (1868-1935) gepflegt werden. Der Berliner Arzt und Sexualwissenschaftler war Vorreiter der Homosexuellenbewegung. Magnus Hirschfeld war für die Nationalsozialisten ein Feindbild; in Zukunft wird die Stiftung mit seinem Namen an die Entrechtung und Verfolgung von Homosexuellen im nationalsozialistischen Deutschland erinnern.

Auch wenn die Gesellschaft heute offener und liberaler geworden ist, bleibt die Diskriminierung von Lesben, Schwulen und Transgender ein drängendes Problem. Der Weg vom Abbau von Diskriminierung bis zur Beseitigung der gesellschaftlichen Benachteiligung für Schwule und Lesben und ihre Teilhabe in allen Bereichen ist in Deutschland nicht vollendet.

Zum Hintergrund:

Die "Magnus Hirschfeld Stiftung" soll als bundesunmittelbare rechtsfähige Stiftung des öffentlichen Rechts mit Sitz in Berlin errichtet und mit einem Stiftungsvermögen von 10 Mio. Euro ausgestattet werden. Die Haushaltsmittel sind bereits eingestellt. Der Bund richtet damit eine Stiftung ein, wie sie auch vom Deutschen Bundestag gefordert und wie sie im Koalitionsvertrag von Union und FDP verabredet wurde.

Das Kuratorium der Stiftung wird mit Abgeordneten des Deutschen Bundestages, Vertretern verschiedener Bundesministerien sowie Vertretern von Interessen- und Fachverbänden besetzt sein.

Weitere Informationen:

www.bundesstiftungmagnushirschfeld.de

Politische und gesellschaftliche Forderungen rund um den CSD Stuttgart.

Interview mit Historiker Andreas Pretzel zur Magnus Hirschfeld Stiftung (taz).

 

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