tiefenToleranz - Und wie tolerant bist du?

Motto des CSD Stuttgart 2013Auch 2013 ist das Motto des Christopher Street Day (CSD) in Stuttgart eine kreative Wortschöpfung, wie bereits im vergangenen Jahr der teils hitzig diskutierte Slogan Gleichbeschäftigt. Bei Süddeutschlands größtem Festival rund um die Belange von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender, Trans- und Intersexuellen (LSBTTI) dreht sich vom 19. bis 28. Juli 2013 alles um das weite Feld der Toleranz. Vielmehr noch geht es um "tiefenToleranz" – so das Motto und durchgängige Leitthema der diesjährigen CSD Saison.

Die gute Nachricht vorweg: 44 Jahre nach den ersten Revolten gegen willkürliche Polizeirazzien und offener Diskriminierung am 28. Juni 1969 in der New Yorker Bar Stonewall Inn ist so mancher Erfolg in Gesetzgebung, Politik und Gesellschaft hart erkämpft worden.

Diese positive Tendenz darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass weiterhin ein steiniger Weg zu umfassender Gleichstellung und einem beständigen Umdenken in den Köpfen der Menschen vor der LSBTTI Bewegung liegt. Denn Achtung, Toleranz, Respekt und Nächstenliebe lassen sich nicht einfach durch Gesetze verordnen. Die Akzeptanz von Minderheiten, anders Denkenden und anders Lebenden muss jeder Mensch für sich selbst erfassen und verinnerlichen.

Plakatmotiv des CSD Stuttgart 2013In den vielen Gesprächen während des Festivals im vergangenen Jahr wurden zwei Dinge offenkundig: Es fehlt oftmals an klaren, verständlichen Informationen über die tatsächliche Lebenswirklichkeit von Menschen aus dem LSBTTI Umfeld. Dies gilt zum einen für die Geschichte dieser diskriminierten Minderheit. Aber auch die Sicht auf die aktuelle Lebenssituation, von Rechtslage bis Alltag, ist nicht selten geprägt von Unwissen und Vorurteilen.

Dabei ergibt sich zumeist ein identisches Bild: oberflächlich hat man sich in der Gesellschaft mit Lesben und Schwulen einigermaßen arrangiert. Der lesbischen TV-Moderatorin kann man getrost zuhören, über den schwulen Comedian herzhaft lachen, von Transsexualität hat man bereits gehört und selbst die Homosexualität des Außenministers wird geduldet.

Aber eben in dieser Duldung liegt das Problem. Denn, wie bereits Johann Wolfgang von Goethe treffend formulierte: "Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein: sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen." Für eine Minderheit, die seit Jahrzehnten für Sichtbarkeit, für gleiche Rechte und für echte Akzeptanz kämpft ist die schlichte Duldung bei Weitem kein Zustand, der als Ende der Fahnenstange angestrebt wird.

Daher gilt es mit dem anstehenden Christopher Street Day in Stuttgart tiefer zu gehen, statt nur weiter an der Oberfläche zu kratzen. Mit dem diesjährigen Motto "tiefenToleranz" soll auf das Dilemma der "Erduldung" aufmerksam gemacht werden. Die aktuelle Lebenssituation und die alltäglichen Probleme von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender sowie Trans- und Intersexuellen (LSBTTI) sollen über das vielfältige Festival im Juli sichtbarer, greifbarer und verständlicher werden.

Plakatmotiv des CSD Stuttgart 2013Die Plakatmotive zum CSD Stuttgart rücken daher auch den Menschen in den Mittelpunkt des Interesses. Zwei Motive, die jeweils ein schwules und ein lesbisches Paar in inniger Zuneigung zeigen, sollen Aufmerksamkeit erzeugen. Die zentrale Frage, welche sich den Betrachterinnen und Betrachtern aufdrängen soll, liegt auf der Hand: Wie halte ich es selbst mit der Toleranz in Bezug auf andere Lebensentwürfe?

Aufklärung und ein offener Dialog sind dabei wichtige Bausteine, um von der oberflächlichen Toleranz zur ehrlichen, tiefer verwurzelten Akzeptanz zu gelangen. Mit den zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen rund das CSD Festival ist die Hoffnung verbunden, weitere Schritte in Richtung Akzeptanz voranzukommen.

"tiefenToleranz" richtet sich aber nicht nur an Politik und Gesellschaft. Vielmehr rückt heute vermehrt ein Bekenntnis der LSBTTI Gemeinschaft zum gemeinsamen Kampf um mehr Rechte und mehr Akzeptanz in den Fokus. Wichtig ist bei diesem gemeinsamen Weg ein tieferes Verständnis der jeweiligen Problemstellungen und Forderungen sowie der angestrebten Ziele. Nur wer einander ehrlich und ohne Vorurteile zuhört, sich versteht und sich akzeptiert kann gemeinsam erfolgreich agieren. Ähnlich wie in Politik und Gesellschaft ist es für die vielfältigen Minderheiten in der Minderheit notwendig, sich von der Oberflächlichkeit in die Tiefe vorzutasten.

 

Video-Clip zum CSD Neujahrsempfang mit der Präsentation von Motto und Plakaten (12.01.)

 

Erste Reaktionen und Meinungen zum CSD Motto und den Plakaten (12.01.):

 

 

Mitmach-Aktionen rund um das CSD Motto

Bis zum Sommer wird "tiefenToleranz" weiter mit Leben gefüllt. Beispielsweise lädt ein Kreativwettbewerb rund um das Motto zur eigenen Ausgestaltung des Leitthemas ein. Kreative aus allen Bereichen und Disziplinen sind aufgerufen, sich eigene Gedanken zur "tiefenToleranz" zu machen. Egal ob Musik, Literatur, Lyrik, gestaltende oder darstellende Kunst, alle Ideen sind willkommen und können bis spätestens 15. Juni 2013 unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!  vorgestellt beziehungsweise eingereicht werden. Mehr Informationen: www.csd-stuttgart.de/kreativ.

Im sprichwörtlichen Sinne kann sich auf der CSD Website zudem Jede/r selbst ein Bild der "tiefenToleranz" machen. Der Plakatidee folgend ruft das ehrenamtliche Orgateam des CSD Stuttgart auf, eigene Fotos einzusenden. Diese Bilder werden in das 2013er Plakatdesign eingebaut und als Ausdruck der Unterstützung auf der Internetpräsenz des Festivals veröffentlicht. So sammeln sich bis zum CSD Monat Juli hoffentlich unzählige persönliche Bekenntnisse zur "tiefenToleranz". Mehr Infos dazu in Kürze.

 

Fragen zum diesjährigen Motto und Leitthema beantworten wir gerne unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .

 

Bisherige Mottos des CSD Stuttgart lauteten:

  • Stuttgart ist bunt, 2001
  • Warm mit Charme, 2002
  • Vielfalt bewegt, 2003
  • Gesicht zeigen, 2004
  • Familie heute, 2005
  • Bist du auch normal?, 2006
  • Teil des Ganzen, 2007
  • Ich glaube..., 2008
  • macht Mut!, 2009
  • schön wär's!, 2010
  • Generation Zukunft, 2011
  • Gleichbeschäftigt, 2012
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