Homo-Heilung bei ProChrist 2013? - Offener Brief an die Stadt Stuttgart

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Herr Erster Bürgermeister Michael Föll
Referat Wirtschaft, Finanzen und Beteiligungen
Rathaus, Marktplatz 1
70173 Stuttgart

Sehr geehrter Herr Erster Bürgermeister Föll,

vom 03. bis 10. März 2013 findet die Großveranstaltung "ProChrist" in der Stuttgarter Porsche-Arena statt. Unter dem Motto "Zweifeln und Staunen" lädt ProChrist e.V. – in dessen Kuratorium Sie Mitglied sind – ein, sich mit dem Glauben an Gott zu beschäftigen. Von Stuttgart aus wird die Veranstaltung per Satellit in viele hundert Orte in ganz Deutschland und Europa übertragen.

Hauptredner ist Pfarrer Ulrich Parzany, welcher in der Vergangenheit mehrfach durch hetzerische Aussagen gegenüber homosexuellen Mitmenschen aufgefallen ist. Dabei setzt er beispielsweise Homosexualität mit Ehebruch, Geiz und Egoismus gleich. Bereits 2009, bei der damaligen "ProChrist" Veranstaltung in Chemnitz, wurde die ablehnende Haltung deutlich: Der Verband Homosexuelle und Kirche (HuK) hatte bei ProChrist angefragt, ob die Initiative im Rahmen der Veranstaltung mit einem Infostand präsent sein dürfe. Dies wurde negativ beschieden.

Einer der Vorsitzenden der ProChrist e.V., Hartmut Steeb, seines Zeichens außerdem Generalsekretär der Evangelischen Allianz, kritisierte erst Anfang diesen Jahres die Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen für das Projekt "Schule ohne Homophobie – Schule der Vielfalt". Dem christlichen Magazin "pro" sagte Steeb, dass gerade junge Menschen darin bestärkt werden müssten, „sich an der geschlechtlichen Dualität von Mann und Frau und ihrer Einswerdung in der Ehe zu orientieren. Ich wäre sehr dafür, an den Schulen genau dafür, nicht aber für den Irrweg einer ideologisch programmierten sexuellen Vielfalt, zu werben."

An Bundeskanzlerin Merkel gerichtet, die 2006 ein schriftliches Grußwort zum Christopher Street Day (CSD) in Stuttgart beisteuerte, schrieb Steeb, "dass diese Art aktiver Unterstützung von Homosexualität und Lesbentum weder für die Zukunft unseres Landes gut ist, noch das Vertrauen in die Politik stärkt". Als Reaktion wurden fortan alle Grußwort-Anfragen von CSD Organisationen in ganz Deutschland aus dem Bundeskanzleramt negativ beschieden.

Führende Organisator_innen von "ProChrist" waren auch an der Ausrichtung des Christival Festivals beteiligt. Diese, mit "ProChrist" vergleichbare Veranstaltung, fand 2008 in Bremen statt und wollte unter anderem den Theorien der "Homo-Heilung" (Konversionstherapien) Raum bieten. In einem Seminar sollte Schwulen und Lesben der Weg in die Heterosexualität gewiesen werden. Dies wurde in Zusammenhang mit der Schirmherrschaft der damaligen Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) in der Öffentlichkeit äußerst kritisch begleitet und führte am Ende zur Absage des umstrittenen Seminars.

Die selbsternannten "Homo-Heiler" lehnen das in Psychologie und Sexualwissenschaft anerkannte Konzept der "sexuellen Orientierung" ab und versuchen Homosexualität als therapiefähige, psychische Erkrankung darzustellen. Aus Studien ist jedoch bekannt, dass die zur Anwendung kommenden Maßnahmen zu schweren Depressionen führen können. In weiten Teilen der wissenschaftlichen Fachwelt wird der Versuch der „Therapie“ von Homosexualität durch die propagierten Konversionstherapien als unsinnig oder gar potenziell schädlich für die Betroffenen eingestuft, weil sie Schwule und Lesben durchaus in den Selbstmord treiben können. Zahlreiche Experten und Fachkreise sprechen daher klar und unmissverständlich von Missbrauch und psychischer Schädigung solcher "Homo-Heilungen". Wir betrachten die "Konversionstherapie" als eindeutige Verletzung der Menschenwürde.

Unter Einbeziehung dieser Fakten hegen wir große Befürchtungen, dass auch im Rahmen der anstehenden "ProChrist"-Veranstaltung in der Landhauptstadt Stuttgart Positionen vertreten werden, die für die umstrittene "Heilung" von Homosexualität werben oder Gruppen, die diese Theorien vertreten Raum geboten wird.

Da es sich bei der Porsche-Arena, in welcher „ProChrist 2013“ stattfindet, um einen städtischen Eigenbetrieb handelt, halten wir es für wichtig, dass unseren Befürchtungen nachgegangen wird. Als Kuratoriumsmitglied von ProChrist e.V. und gleichzeitig als Aufsichtsrat der Objektgesellschaft Veranstaltungen und Märkte Stuttgart mbH & Co. KG (Gesellschafter der in.Stuttgart Veranstaltungsgesellschaft mbH, welche die Porsche-Arena betreibt) sollte es Ihnen, Herr Erster Bürgermeister Föll, ein Leichtes sein, für Klarheit zur Ausrichtung dieser Veranstaltung zu sorgen.

Konkret fordern wir die Landeshauptstadt Stuttgart auf, zu klären, ob bei der "ProChrist"-Veranstaltung im März ähnliches wie in Bremen geplant ist. Gegebenenfalls hoffen wir, dass sich die Stadt Stuttgart als letztendlicher Vermieter der Porsche-Arena von solchen Angeboten distanziert und ggf. weitere Schritte vorbehalten werden. Wir sind der Meinung, dass die Propagierung solcher Theorien in städtischen Räumlichkeiten das bisher sehr löbliche Engagement der Landeshauptstadt zum notwendigen Abbau von Diskriminierungen und der Förderung der Akzeptanz gegenüber Lesben, Schwulen, Bi-, Inter- und Transsexuellen sowie Transgender konterkariert, ja diesem Bestreben gar schadet. Dies gleicht dem Tanzen auf zweierlei Hochzeiten, was bekanntlich nicht ohne Probleme funktionieren kann.

Uns stellt sich dabei die Frage, wie die Landeshauptstadt Stuttgart auf der einen Seite Veranstaltungen wie den Christopher Street Day (CSD) mit Grußworten und Redebeiträgen unterstützen kann, gleichzeitig aber Räumlichkeiten für Großveranstaltungen bereitstellt, deren Verantwortliche homosexuelle Menschen in einem Atemzug mit "Ehebruch, Geiz und Egoismus" nennen und Gleichberechtigung sowie Akzeptanz als "Irrweg" bezeichnen.

Freundliche Grüße

IG CSD Stuttgart e.V.
Christoph Michl, Vorstand & Gesamtleiter

PS: Auf www.csd-stuttgart.de/prochrist sammeln wir online Unterstützungsbekundungen für unser dargelegtes Anliegen. Die Liste der Unterstützer_innen – egal ob als Organisation oder Privatperson – wird ständig aktualisiert und erweitert.

Der Brief vom 27.02.2013 im Original (PDF).

 

Antwortschreiben von BM Michael Föll vom 01.03.

Am Freitag, den 01. März 2013 erhielt die IG CSD via E-Mail ein Antwortschreiben vom Ersten Bürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart, Michael Föll (PDF):

Im Schwäbischen Tagblatt vom 02.03. wird Föll wie folgt zitiert: Er selbst halte die Vorwürfe für "sehr spekulativ und an den Haaren herbeigezogen".

 

 

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