Motto - Wir machen Aufruhr!

Motto des CSD Stuttgart 2014 - Wir machen Aufruhr!Gesellschaftlicher Aufruhr rund um Homosexualität und die Belange von LSBTTIQ-Menschen wohin man schaut. Seit 35 Jahren sorgt der CSD in Stuttgart für Empörung über ungleiche Rechte und Intoleranz. Vom 18. bis 27. Juli 2014 ging der Aufruhr mit dem vielfältigen Kulturfestival in eine weitere Runde.

Lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle, transgender, intersexuelle und queere Menschen geraten seit nunmehr 45 Jahren in Aufruhr. Kontinuierlich. Weltweit. Sie sind empört über die Tatsache, dass ihnen noch immer offene Anfeindungen, versteckte Diskriminierungen, gesetzliche Ungleichbehandlungen, hartnäckige Vorurteile, alte Klischees, gewaltsame Homo- oder Transphobie, scheele Blicke und unwürdiges Getuschel entgegen gebracht werden.

Aufruhr und Empörung über politische und gesellschaftliche Missstände haben für Menschen des LSBTTIQ-Spektrums eine lange Tradition. Der Jahrestag der "Stonewall Inn"-Aufstände vom 27. Juni 1969 in der New Yorker Christopher Street jährt sich 2014 zum mittlerweile 45. Mal. Dieser erste Aufruhr in Form einer handfesten Revolte gegen willkürliche Polizeirazzien markiert den Ausgangspunkt für die heutige, weltweite CSD Bewegung.

Die Welle der aufrührerischen Empörung erreichte Stuttgart erstmals am 30. Juni 1979 – also vor 35 Jahren. Damals fand die erste CSD-Demonstration in der baden-württembergischen Landeshauptstadt statt. Seinerzeit noch unter dem bezeichnenden Titel "Homobefreiungstag".

Geschichtlich betrachtet stellt die noch junge bürgerschaftliche CSD-Bewegung mit ihren bisher erreichten Erfolgen und weiterhin unerfüllten Erwartungen nur einen kleinen Wimpernschlag im Kampf um gesellschaftliche Toleranz dar. Für die betroffenen Menschen hat sich das Leben in den vergangenen 45 Jahren, seit dem modernen Ur-Aufruhr in New York, dennoch grundsätzlich verändert. Die Geschichte des Kampfes um gleiche Rechte und ehrliche Akzeptanz prägt mittlerweile mehrere Generationen und hat Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft.

Gesellschaft in Aufruhr braucht offenen Dialog

Plakatmotiv zum CSD Stuttgart 2014 - "Wir machen Aufruhr!"Für Menschen des LSBTTIQ-Spektrums ist das Wissen um die eigene Geschichte elementar wichtig. Zeigt sie doch eine unrühmliche Historie vieler Diskriminierungen, Zurückweisungen und Stigmatisierungen. Nur zu gern wird dieses Wissen um geschichtliche Tatsachen und Zusammenhänge nach wie vor ins Abseits gedrängt. Schnell verweist man auf errungene rechtliche Teilerfolge und die oberflächliche Toleranz gegenüber der Vielfalt der sexuellen Orientierungen und der geschlechtlichen Identitäten. Wie einfach ist es doch, eine Minderheit mit dem Status Quo abzuspeisen und bisherige Anstrengungen auf ach so hohem Niveau beruhen zu lassen.

Umso gewichtiger ist es daher für LSBTTIQ-Menschen, die eigene Geschichte sowie die eigene Identität, die diese Historie stiftet, nicht zu vergessen. Denn Vergessen, auch das lehrt die Geschichte, ist brandgefährlich.

Akzeptanz braucht kontinuierliche Erinnerung

Schon ein ganz kurzer Blick in die Vergangenheit macht mehr als deutlich, dass lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, transgender, intersexuellen und queeren Menschen ein Stück der eigenen Geschichte fehlt. Die Verfolgung homosexueller Männer in der Nazi-Diktatur und fortgesetzt in den jungen Demokratien von BRD und DDR durch den Paragrafen 175 des Strafgesetzbuches ist weder systematisch oder wissenschaftlich aufgearbeitet, geschweige denn hinreichend verarbeitet. Dies zeigt eindrucksvoll die bisher noch immer nicht erfolgte Rehabilitierung und Wiedergutmachung an den über 50.000 Opfern des § 175 von 1945 bis 1969. Wenig Einblick gibt es insbesondere auch in die subtilere Verfolgung der lesbischen Frauen. Ebenso verborgen bleibt oftmals der Blick auf das Leid transsexueller, transgender und intersexueller Menschen.

Plakatmotiv zum CSD Stuttgart 2014 - "Wir machen Aufruhr!"Die dringend nötige Aufarbeitung steckt auch im Jahr 2014 noch in zierlichen Kinderschuhen und ist bisher zumeist ehrenamtlichem Engagement der Betroffenen selbst geschuldet. Erst langsam, eindeutig viel zu langsam, etabliert sich das zarte Pflänzchen einer würdigen LSBTTIQ-Erinnerungskultur. Jetzt ist es an der Zeit ein Klima zu schaffen, in welchem eine fundierte Aufarbeitung möglich wird und diese auch tatsächlich von der Gesellschaft erwünscht ist.

Vielversprechende Projekte wie die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, der Lern- und Gedenkort Hotel Silber in Baden-Württemberg und das neue Stadtmuseum in Stuttgart bilden historisch einmalige Chancen für die überfällige Aufarbeitung der LSBTTIQ-Geschichte. So kann zumindest symbolische Wiedergutmachung geleistet werden und es ergeben sich hoffentlich mahnende Beispiele für die Vielschichtigkeit von Verfolgung, Diskriminierung und Intoleranz aufgrund der sexuellen Orientierung und der Vielfalt von Geschlecht.

Der Aufruhr geht weiter

Auch und gerade Ereignisse der jüngsten Gegenwart zeugen eindrucksvoll davon, warum Aufruhr rund um eine vollständige Gleichberechtigung und echte Akzeptanz von LSBTTIQ-Menschen weiterhin dringend geboten ist. Denn solange öffentliche Outings, wie unlängst der wunderbar selbstverständliche Umgang von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks mit ihrer Lebensrealität oder das aus dem Schrank kommen von Ex-Profifußballer Thomas Hitzlsperger, noch marktschreierisch die Titelseiten der Medien füllen sowie unzählige unflätige Kommentare nach sich ziehen, ist der Aufruhr noch nicht obsolet. Solange gegen die Vermittlung von toleranten Werten und der Darstellung von gelebten gesellschaftlichen Realitäten in den neuen baden-württembergischen Bildungsplänen vehement Sturm gelaufen wird, ist der Aufruhr das Gebot der Stunde.

Plakatmotiv zum CSD Stuttgart 2014 - "Wir machen Aufruhr!"Solange Bundeskanzlerin Merkel beim gemeinsamen Adoptionsrecht für Lesben und Schwule wegen des Wohl des Kindes "unsicher" ist, damit eine Diskussion im Keim erstickt und sich deshalb "schwer tut" mit der Gleichstellung ist der Aufruhr nötig. Solange mit der Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule das nahende Ende der Menschheit und der Verlust von christlichen Werten proklamiert werden, gibt es dringenden Bedarf für gesellschaftlichen Aufruhr. Solange ein Abweichen von der Norm in Teilen der Welt weiterhin mit der Todesstrafe bedroht wird, muss der Aufruhr dies anprangern. Solange staatliche Gesetze das Lesbisch- und Schwulsein zu "Propaganda" degradieren und damit Homosexualität aus dem öffentlichen Leben verbannt wird, darf der Aufruhr nicht nachlassen.

Aufruhr und Empörung sind also auch 2014 immer noch mehr als angebracht. Sie sind gesellschaftlich bitter nötig. Als lebendige Mahnung und hoffnungsfrohes Leuchtfeuer für ein gemeinschaftliches Zusammenleben, welches durch tatsächliche Akzeptanz geprägt ist. Der diesjährige Christopher Street Day (CSD) in Stuttgart wird dazu einen wichtigen Beitrag leisten – als kunterbuntes Festival unter dem Motto "Wir machen Aufruhr!". Seit 1969. Und auch zukünftig.

Gelegenheit zum größtmöglichen öffentlichen Aufruhr rund um die Belange von LSBTTIQ-Menschen in Süddeutschland bot der CSD Stuttgart mit seinem vielfältigen Kulturfestival vom 18. bis 27. Juli 2014. Die CSD Polit-Parade zog am Samstag, den 26. Juli 2014 bereits zum 18. Mal durch die baden-württembergische Landeshauptstadt und lockte 220.000 Menschen in die Innenstadt.

 

 

Fragen zum Motto "Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! " sowie zum Leitthema des CSD in Stuttgart beantworten wir gerne unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .Offizielles Motto-Shirt "Wir machen Aufruhr!" zum CSD 2014 

 

Wer den "Aufruhr" sichtbar machen möchte, dem empfehlen wir das offizielle Motto-Shirt zum CSD Stuttgart 2014. Diesen und weitere Fanartikel zum Festival gibt's bei unserem Community-Partner von der RegenbogenManufaktur.com.

 

 

Hintergrund - LSBTTIQ
LSBTTIQ steht für lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle, transgender, intersexuelle und queeren Menschen.

Hintergrund - Aufruhr
Aufruhr bezeichnet eine Aktion einer größeren Menschenmenge gegen eine bestehende Ordnung in Form von Auflehnung und Zusammenrottungen insbesondere gegen die Staatsgewalt. Sie kann sich in Empörung sowie Protesten insbesondere gegen politische Missstände äußern. Ferner wird mit Aufruhr eine starke Erregung ("in Aufruhr geraten"; "jmdn. in Aufruhr bringen") sowie eine starke Bewegung ("Aufruhr der Naturelemente") bezeichnet. Aufruhr bedeutet allgemein "Erhebung, Empörung", insbesondere "heftige Erregung", und ist seit der Mitte des 15. Jahrhunderts in hochdeutschen Texten nachweisbar. Der Straftatbestand des Aufruhrs (ehemalig § 115 RStGB) wurde 1970 in Deutschland mit dem dritten Strafrechtsreformgesetz aufgelöst. Wer an einem öffentlichen Aufruhr teilnahm, wurde mit Gefängnis nicht unter sechs Monaten bestraft. Rädelsführer drohte Zuchthaus bis zu zehn Jahre. Quelle: Wikipedia

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