Nachklapp: Kundgebung gegen Homophobie und Menschenfeindlichkeit am 01.02.

"Gegen Homophobie und Menschenfeindlichkeit" - 01.02.2014 - SchillerplatzDie Verankerung der Akzeptanz gegenüber lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, transgender, intersexuellen und queeren Menschen (LSBTTIQ) im baden-württembergischen Bildungsplan 2015 schlägt seit Wochen hohe Wellen – emotional wie medial. Am Begriff der "Akzeptanz sexueller Vielfalt" in einem Arbeitspapier der grün-roten Landesregierung erhitzen sich die Gemüter.

Die hitzige Debatte wurde in den vergangenen Monaten vorwiegend virtuell mit gleich mehreren Online-Petitionen für und gegen die neuen Bildungspläne ausgefochten. Am Samstag, den 01. Februar 2014 trafen Gegner und Befürworter in zwei Demonstrationen in der Stuttgarter Innenstadt erstmals direkt aufeinander.

Unter dem Motto "Gegen die Indoktrination unser Kinder – Stoppt den Bildungsplan 2015" versammelten sich mehrere Hundert Menschen auf dem Schlossplatz. Sie verliehen mit Transparenten zur "Frühkindlichen Sexualisierung", "Gegen Pornounterricht" und "Für den Schutz der Kinder" ihren Ängsten Ausdruck und machten Stimmung gegen die Akzeptanz von gesellschaftlicher Vielfalt in den baden-württembergischen Schulen.

"Gegen Homophobie und Menschenfeindlichkeit" - 01.02.2014 - SchillerplatzEin ganz anderes Bild zeigte sich auf dem Schillerplatz. Dieser gehörte den Befürwortern, welche die Zielsetzung der grün-roten Landesregierung – nämlich Baden-Württemberg auch in der Schule zu einem weltoffenen Land zu machen – vollumfänglich unterstützten. Klares Ziel der Kundgebungsteilnehmer "gegen Homophobie und Menschenfeindlichkeit": Schule muss ein Ort sein, der Lebensrealitäten abbildet und an dem ganz selbstverständlich auch gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften und die Vielfalt von sexueller Orientierung und Geschlecht Raum finden kann.

Gemeinsam vereinte die Menge die Auffassung, gelebte Lebensrealitäten sichtbar zu machen und diese angemessen darzustellen. Den Schülerinnen und Schülern ist bei der Einordnung dieser Aspekte in den heutigen gesellschaftlichen Kontext zu helfen und ein positiver Realitätssinn zu vermitteln. Für den Respekt gegenüber allen Menschen und ihren Lebensentwürfen ist auch in der Schule zu werben.

"Gegen Homophobie und Menschenfeindlichkeit" - 01.02.2014 - SchillerplatzDie Kundgebung wurde von der Linksjugend Stuttgart organisiert und von unter anderem Bündnis 90/Die Grünen und der IG CSD Stuttgart e.V. unterstützt. Die Moderation auf dem Schillerplatz übernahm Laura Halding-Hoppenheit, die just im Januar mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für ihr langjähriges Engagement rund um die Akzeptanz von LSBTTIQ-Menschen geehrt wurde.

Im offiziellen Redenblock sprachen Holger Henzler Hübner (Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg, LSVD Baden-Württemberg), Isabelle Hlawatsch (Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg, Freundeskreis transidentischer Menschen Ulm) sowie Kim Schicklang (Arbeitskreis Schwule und Lesben in ver.di). Grußworte wurden von Oliver Hildenbrand (Landesvorsitzender, Bündnis 90/Die Grünen), Stefan Kaufmann (MdB, CDU – nur verlesen) sowie Sven Fichtner (DIE LINKE.) gesprochen.

In seinem Redebeitrag stellte CSD Vorstand Christoph Michl das diesjährige Motto des Christopher Street Day in Stuttgart in klaren Bezug zur aktuell hitzig geführten Debatte: "Wir machen Aufruhr!" passt dabei sehr gut zu den Herausforderungen der nächsten Wochen und Monate. Schließlich gilt es auch weiterhin, für die vollständige rechtliche Gleichstellung und ein Mehr an Toleranz beziehungsweise Akzeptanz gegenüber LSBTTIQ Menschen einzutreten und dafür aktiv zu werben. Deutlich machte Michl aber auch, dass der Bildungsplan nur ein wichtiger Meilenstein von vielen auf dem Weg hin zu mehr Sichtbarkeit von Vielfalt in Baden-Württemberg sowie Deutschland ist.

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Die Befürworter-Demo lockte nach übereinstimmenden Schätzungen gut 500 Menschen vor das Schillerdenkmal. Diese brachten ihre Überzeugungen und Argumente bestimmt, aber absolut friedlich zum Ausdruck.

Die provozierenden Plakate und Transparente auf der Demo gegen die neuen Bildungspläne verleiteten leider einige Störenfriede zu heftigen, unangemessenen Protesten auf dem Schlossplatz. Die Polizei musste einschreiten. Randale, Rangeleien, Schubsereien und Gewalt sind dabei weder dienlich noch im Sinne unserer gemeinsamen Sache. So wird der Fokus der Aufmerksamkeit in eine völlig falsche Richtung gelenkt. Schließlich geht es uns um Aufklärung und Dialog. Nur so können wir die Gesellschaft mitnehmen und deutlich machen, warum die Bestrebungen der grün-roten Landesregierung für die Bildungspläne 2015 richtig und wichtig sind.

 

Weitere Informationen zum Thema:

Aufklärung tut Not – im Bildungssystem sowie in der Gesellschaft
Ein klarer Blick für die Vielfalt in unserer Gesellschaft braucht einen Platz in unseren Schulen. Die aktuelle Debatte zeigt den hohen Informationsbedarf.
www.netzwerk-lsbttiq.net

SWR Fernsehen
Demos für und gegen den Bildungsplan
www.swr.de

SWR.de
Streit um Bildungsplan verlagert sich auf die Straße
www.swr.de

Stuttgarter Zeitung
Bildungsplan-Gegner ausgebremst
www.stuttgarter-zeitung.de

Reutlinger General-Anzeiger
Ist Stuttgart Sotschi? - Hitzige Demo gegen homofreundliche Politik
www.gea.de

idea.de
Demo in Stuttgart: Auseinandersetzungen um den Bildungsplan
www.idea.de

RTL Aktuell vom 01.02.2014
ab Minute 5.40
www.rtl-now.de

N-TV Nachrichten vom 01.02.2014
ab Minute 16:20
www.n-tv.de

Schwäbische
Hunderte demonstrieren für und gegen Bildungsplan in Stuttgart
www.schwaebische.de

Schwulst-Podcast
Mit Live-Statements von den Demos
www.schwulst.de

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