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Forderungen: Darum gehen wir auf die Straße

Abschlusskundgebung nach der CSD-Polit-Parade in StuttgartDie vollständige rechtliche und gesellschaftliche Gleichstellung wird lesbischen, schwulen, bisexuellen, transsexuellen, transgender und intersexuellen Menschen (LSBTTIQ) immer noch verwehrt. Die Gründe sind vielschichtig und werden – je nach Partei, Institution oder Person –mal offen, mal versteckt unterschiedlich benannt: Grundgesetz, Schutz von Ehe und Familie, Parteiräson, Glaube, Tradition, Angst, Vorurteile, Klischees. Es mag bei all den Fortschritten der letzten Jahre verwundern, aber Diskriminierungen, Homo- und Transphobie sind weiterhin Fakt und Realität. In anderen Ländern, aber eben auch in Deutschland.

Hitzige Diskussionen um die Sichtbarkeit von Vielfalt in Bildungs- und Aktionsplänen, erbitterte Widerstände gegen konkrete Maßnahmen zum Abbau von Diskriminierungen oder das Verweigern weiterer Schritte zur konsequenten Gleichberechtigung zeigen, wie notwendig eine fundierte, realitätsnahe Aufklärung ist. Mit gezielten Desinformationen, überholten Klischees, falschen Zusammenhängen und populistischer Stimmungsmache sowie einer Verkürzung von gleichgeschlechtlichen Lebensweisen auf reine Sexualität wird wieder stärker versucht, Homophobie salonfähig zu machen und gleiche Rechte zu verhindern.

Das Christopher Street Day (CSD)-Festival steht 2015 in Stuttgart unter dem Motto "Akzeptanz! Was sonst?". Denn um nichts Geringeres geht es: um Gleichberechtigung, Sichtbarkeit, Teilhabe und Respekt. Das ist nicht zu viel verlangt. Das sollte schlicht Normalität sein.

Als wichtige Forderungen, Erwartungen und Ziele des CSD Stuttgart 2015 gilt es,

  • die Ehe für gleichgeschlechtliche Partnerschaften zu öffnen bzw. bis dahin Lebenspartnerschaften mit der Ehe vollständig gleichzustellen.
  • das volle Recht auf Zugang zum Adoptionsverfahren für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften zu gewähren.
  • darauf hinzuwirken, dass der Artikel 3 des Grundgesetzes um das Merkmal "sexuelle Orientierung/Identität" ergänzt wird.
  • die Rehabilitierung und Entschädigung aller nach 1945 nach §175 StGb im Bereich der Bundesrepublik und entsprechend im Bereich der Deutschen Demokratischen Republik verurteilten zu beschließen.
  • föderale Maßnahmenpläne, wie den Aktionsplan „Für Akzeptanz & gleiche Rechte“ der baden-württembergischen Landesregierung, auf den Weg zu bringen und langfristig zu begleiten, um Teilhabe zu sichern, Akzeptanz zu fördern, ehrenamtliche
  • Strukturen zu festigen und Maßnahmen gegen Diskriminierung umzusetzen.
  • Lebensrealitäten von LSBTTIQ-Menschen altersgerecht und fächerübergreifend in Bildungsplänen zu verankern sowie Lehrkräfte in ihrer Aus- und Fortbildung beim Umgang mit Vielfalt zu sensibilisieren.
  • die Reform des Transsexuellengesetzes anzugehen, insbesondere die Streichung aller Paragraphen, welche die Fremdbestimmung über die eigene Person legitimieren.
  • die gesellschaftliche Vielfalt in Bezug auf LSBTTIQ-Teilhabe auch bei der Besetzung von begleitenden Gremien zu berücksichtigen.

Die aufgeführten Punkte haben keinesfalls einen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie dienen ausschließlich als kurze Schlaglichter.

Abschlusskundgebung nach der CSD-Polit-Parade in StuttgartJeder Mensch kann für sich persönlich, in seinem privaten oder beruflichen Umfeld etwas gegen Ausgrenzung und Diskriminierung gegenüber gleichgeschlechtlichen Lebensweisen sowie der Vielfalt von Geschlecht tun. Schließlich gilt es, in den Köpfen der Menschen ein Bewusstsein für die Akzeptanz von Vielfalt in unserer Gesellschaft zu schaffen.

Die bisherigen Erfolge der Gleichberechtigung von LSBTTIQ-Menschen – Eingetragene Lebenspartnerschaft, Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz, Sukzessiv-Adoption etc. – wurden in der Vergangenheit stets hart und langwierig erkämpft. Nach wie vor sind viele Themen in Politik und Gesellschaft unzureichend umgesetzt oder schlicht unerfüllt (siehe oben). Es gibt also mehr als genug Gründe, um unseren Forderungen lautstark und konsequent Ausdruck zu verleihen. Dies wurde zum Beispiel am Samstag, den 25. Juli 2015 anlässlich der CSD-Polit-Parade sowie bei der anschließenden Abschlusskundgebung getan.

Weitere Informationen zur politischen Arbeit von LSBTTIQ-Menschen bietet das Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg: www.netzwerk-lsbttiq.net. Der CSD-Verein ist eine von gut 80 Organisationen dieses landesweit aktiven Netzwerks.

Fragen beantwortet das ehrenamtliche Organisationsteam des CSD Stuttgart gerne über das Kontaktformular.

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Video aus dem CSD-YouTube-Kanal:
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