Was ist CSD?

Stonewall Inn in der Christopher Street in New York
Die Christopher Street Day-Bewegung erinnert an den 27./28. Juni 1969. In der Nacht vor nunmehr 48 Jahren setzten sich schwule, lesbische, transsexuelle und transgender Menschen in New York gemeinsam gegen staatliche Willkür und gewaltsame Übergriffe der Polizei zur Wehr. Schmelztiegel war damals die Bar Stonewall Inn in der Christopher Street. Daher auch der deutsche Name "Christopher Street Day" oder kurz CSD. Der Begriff ist jedoch eher ein deutsches Phänomen, denn andernorts wird von "Regenbogenparade", "Pride Parade" oder schlicht "Pride" gesprochen.

Seit eben jenen Juni-Tagen gehen zum Gedenken an die Aufstände rund um das Stonewall Inn ("Stonewall Riots") alljährlich überall in der Welt im Sommer Menschen mit einer friedlichen, farbenfrohen sowie stolzen Demonstration auf die Straßen. Ihre gemeinsamen Ziele: Sichtbarkeit, Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit schaffen, um Toleranz und Akzeptanz werben sowie eine vollständige rechtliche und gesellschaftliche Gleichberechtigung einfordern.

Von Stonewall über den Homobefreiungstag bis zum CSD

Durch eine deutsche Stadt zog ein CSD zum ersten Mal 1972. Aber nicht in einer Metropole wie Köln oder Berlin. Nein, im beschaulichen Münster startete hierzulande der lange Weg zur Emanzipation rund um sexuelle Identität und geschlechtliche Vielfalt. Heute feiern in Deutschland jährlich hunderttausende Menschen in weit mehr als 50 Städten den Christopher Street Day.

In Stuttgart reicht die CSD-Geschichte bereits stolze 38 Jahre zurück. Am 30. Juni 1979 wagten sich unter dem Namen "Homobefreiungstag" und deklariert als "Straßentheater" etwa 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf den Schlossplatz. Sie gaben damit einer bis dato zumeist schweigenden und versteckten, weil lange kriminalisierten Minderheit (Paragraf 175) erstmals ein öffentliches Gesicht (siehe Foto unten).

Von den denkwürdigen CSD-Anfängen in Stuttgart zeugen sogar Filmaufnahmen, auf die wir dank der Aktion 60 x Deutschland (www.60xdeutschland.de) zum Jahrestag der Gründung der Bundesrepublik Deutschland gestoßen sind.

Weitere CSD-Demos folgten 1985, 1994 sowie 2000. Im Millennium-Jahr war das Interesse dann so überwältigend groß, dass der Ruf nach einem jährlichen Turnus – wie in anderen Städten längst üblich – laut wurde. Im Januar 2001 legte die Vereinsgründung der IG CSD Stuttgart e.V. den Grundstein für das heutige Kulturfestival.

Sammeln von CSD-Geschichte

Foto von der ersten CSD-Demo aus dem Jahr 1979 (Bildrechte: Kraufmann und Kraufmann)

Zur CSD-Geschichte in Stuttgart hat das Stadtmuseum Stuttgart gemeinsam mit der IG CSD einen Sammlungsaufruf für Geschichten und Objekte gestartet. Gesucht sind alte Fotos, Protestplakate, Fahnen, Buttons, Flugblätter, Zeitungsartikel, Eintrittskarten, besonderen Klamotten und was in Kellern oder auf Dachböden sonst noch zur LSBTTIQ-Geschichte in Stuttgart zu finden ist.

Am Samstag, 29. Juli 2017 zieht die mittlerweile 21. CSD Polit-Parade durch Stuttgart. Etwa 200.000 Besuchende am Straßenrand machen den CSD zu einer der größten, eintägigen Veranstaltung in der Schwabenmetropole. Der CSD Stuttgart ist nach Köln und Berlin die drittgrößte Veranstaltung dieser Art in der Republik und die größte in ganz Süddeutschland.

Als Plattform zur Vernetzung der CSD-Organisierenden hat sich der CSD Deutschland e.V. gegründet.