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  • Christopher Street Day (CSD) Stuttgart

Mythos Stonewall - Mit Mut zur Freiheit

CSD Stuttgart Stonewall 01Mit der Beerdigung Martin Luther Kings waren die letzten Klänge des amerikanischen Protestlieds „We shall Overcome“ gerade erst verklungen – Ende der Sechziger Jahre erlebte die USA den Wandel des Wandels: Teile der Bürgerrechtsbewegung hatten sich radikalisiert; auch die Proteste gegen den Vietnamkrieg schlugen in Gewalt um. Diese Radikalisierung zog weite Kreise: Auf der „National Convention“ der Demokratischen Partei in Chicago erörterten die Delegierten im Sommer 1968, welche Lehren sich daraus für ihre politische Arbeit ergeben. Innerhalb der Regenbogen-Community gewannen Stimmen die Oberhand, die nach neuen Ausdrucksformen suchten, statt auf Anpassung zu setzen. Aktivist*innen gründeten eine radikale Gruppierung mitten im Szene-Quartier des Greenwich Village. „Gay Power“ wurde zum neuen Schlagwort in der Szene von New York City.Mit der Beerdigung Martin Luther Kings waren die letzten Klänge des amerikanischen Protestlieds „We shall Overcome“ gerade erst verklungen – Ende der Sechziger Jahre erlebte die USA den Wandel des Wandels: Teile der Bürgerrechtsbewegung hatten sich radikalisiert; auch die Proteste gegen den Vietnamkrieg schlugen in Gewalt um. Diese Radikalisierung zog weite Kreise: Auf der „National Convention“ der Demokratischen Partei in Chicago erörterten die Delegierten im Sommer 1968, welche Lehren sich daraus für ihre politische Arbeit ergeben. Innerhalb der Regenbogen-Community gewannen Stimmen die Oberhand, die nach neuen Ausdrucksformen suchten, statt auf Anpassung zu setzen. Aktivist*innen gründeten eine radikale Gruppierung mitten im Szene-Quartier des Greenwich Village. „Gay Power“ wurde zum neuen Schlagwort in der Szene von New York City.

Wandel im Wandel

2019 CSD Stuttgart Stonewall 04 400x266Homosexuelles Leben war 1969 in einigen Metropolen der USA bestensfalls geduldet. Strenge Sittengesetze stellten „Sodomie“ unter Strafe. Denunziation durch Polizei und Medien sowie Erpressung waren an der Tagesordnung, um LSBTTIQ-Menschen in ihrer sozialen Existenz zu vernichten. Trotzdem hielt sich an wenigen Orten eine Subkultur unter prekären Bedingungen. Szene-Treffs wurde die Lizenz zum Alkoholausschank verweigert. Strohmänner der Mafia sprangen in die Bresche, um den Bars einen neutralen Anstrich zu geben. Die korrupte Polizei profitierte von Schmiergeldzahlungen. Nur so konnten insbesondere Orte existieren, in die auch die Ausgestoßenen der Regenbogen-Community Einlass fanden – die Schrillen, obdachlose Jugendliche und ethnische Minderheiten.

Explosive Mischung

Mythos  Stonewall 02In diese Kategorie gehörte das Stonewall Inn im Greenwich Village. Trotz Schmiergeld gab es monatlich Razzien als eine Art Machtdemonstration der Polizei. Der jeweilige Eigner zahlte eine Strafe, gering genug, um das Korruptionssystem nicht zu gefährden. Bei den Razzien herrschte Willkür gegenüber Gästen und Personal. Wessen Hautfarbe weiß war und wer angepasst auftrat, konnte sich manchmal verdrücken. Im Visier waren dagegen Drag Queens, Butches und People of Color. Die Anwesenheit eines vermeintlichen Mannes in Frauenkleidern war Vorwand genug, um die Versammlung für illegal zu erklären.

Es war eine explosive Mischung im Frühsommer 1969 in New York: geschärftes politisches Bewusstsein, ein Bürgermeisterwahlkampf mit vermehrten Razzien gegen Minderheiten, Aussichtslosigkeit und die Aufgewühltheit nach der Beerdigung der Schwulen-Ikone Judy Garland Anfang Juni („Somewhere Over The Rainbow“). Da stand im Stonewall Inn wieder eine Razzia an: Doch diesmal, in der Nacht vom 27. auf 28. Juni 1969 nahmen die Gäste die polizeilichen Schikanen nicht mehr hin. Insbesondere die Drag Queens, Transsexuellen und Butch-Lesben setzten sich gegen Demütigungen und Verhaftungen zur Wehr.

Mit Handtaschen droschen sie auf die Polizisten ein und weigerten sich, in die Gefangenentransporter zu klettern. Schließlich begannen auch Schaulustige sich einzumischen. Sie skandierten Parolen und Polizeibeamte wurden mit Münzen beworfen, um die Polizeikorruption zu karikieren. Die Menge schwoll rasch an, die Polizisten sahen sich einer Übermacht gegenüber und verbarrikadierten sich schlussendlich selbst in der Szene-Kneipe. Auch als eine eilig herbeigerufene Sondereinheit eintraf, wich die Menge nicht zurück. Die Gedemütigten hielten ihre Peiniger in Atem. In der Nacht zum Sonntag, 29. Juni, zogen tausende Demonstrierende in die Christopher Street und suchten erneut die Auseinandersetzung mit der Polizei. Auch in der folgenden Woche hielten die Unruhen an. 

Warum Stonewall?

Bar Stonewall INNDie Aktion im Greenwich Village war der bis dato heftigste Widerstand gegen Polizeiübergriffe, jedoch nicht der erste in den USA und auch nicht der letzte in New York City. Warum wurde gerade „Stonewall“ zum Fanal? 
Kurz nach den Aufständen stand der US-Nationalfeiertrag im Kalender. Wie in den Vorjahren trafen sich eine Handvoll traditionell eingestellter Gay-Aktivist*innen zum „Annual Reminder“. Sie demonstrierten in Philadelphia, einer früheren Hauptstadt der USA. Mit dem „Reminder“ erinnerten sie daran, dass die Freiheitsrechte der Unabhängigkeitserklärung für Schwule und Lesben noch immer nicht eingelöst sind. Von bisexuellen, transsexuellen oder queeren Menschen war damals kaum die Rede – sie lagen außerhalb der gesellschaftlichen Wahrnehmung, auch wenn sie aktiver Teil der Bewegung gewesen sein müssen.

Die Radikalisierung der Community in New York, die während der Stonewall-Ausschreitungen verspürte Kraft und der Kontrast zu der als schal empfundenen Protestform in Philadelphia - all das weckte das Bedürfnis, eine neue Art der Sichtbarkeit zu schaffen. Noch im Juli 1969 wurde in New York City die „Gay Liberation Front“ gegründet, zahlreiche andere Organisationen folgten. 

Es wuchs der Entschluss, das Momentum von Stonewall zu nutzen: Ende 1969 nahm mit dem „Christopher Street Liberation Day Umbrella Committee“ ein erstes Organisationsteam die Arbeit auf. Zur Vorbereitung gehörte eine intensive Pressearbeit. Aktivist*innen in anderen US-Metropolen wurden kontaktiert, mit dem Ziel, im ganzen Land an den ersten Jahrestag der Aufstände zu erinnern. Los Angeles und Chicago hatten den Mut, 1970 mit einer speziell amerikanischen Demonstrationsform in die Öffentlichkeit zu gehen, der Parade.

2019 CSD Stuttgart 1979 Fotos Stgzt Greiner 03 400x266Mit jedem der folgenden Jahrestage kamen weitere Städte hinzu. 1972 auch San Francisco, die US-Metropole mit der ältesten Gay-Community. Aus Eitelkeit erinnerte diese jedoch nicht direkt an Stonewall, sondern führte den Begriff „Pride“ (Stolz) ein.

Bald griffen auch Städte außerhalb der USA den Impuls auf und veranstalteten Aktionen unter Berufung auf Stonewall. 1972 die deutsche Stadt Münster in Westfalen! Am 30. Juni 1979, zehn Jahre nach den Aufständen in Greenwich Village, riefen Aktivist*innen den „Homobefreiungstag“ auf den Stuttgarter Schlossplatz aus – der „Gay Liberation Day“ auf schwäbisch. In anderen Städten wie Berlin oder Hamburg wurde unter dem Begriff „Christopher Street Day“ demonstriert.

Ein Meilenstein und Symbol

CSD Stuttgart 1979 Fotos Stgzt GreinerStonewall ist also ein Mythos, der aus dem damaligen Zeitgeist und einem Umbruch im gesellschaftspolitischen Wandel geboren wurde: Von Ausgestoßenen aus der Gesellschaft, deren Mut aus ihrer Wut erwuchs, die Demütigungen und Unterdrückungen nicht mehr ertragen zu wollen. Und von politisch motivierten Aktivist*innen, die die Gelegenheit erkannten und nutzten, ein Symbol zu schaffen für den weiteren Kampf für Sichtbarkeit, Respekt und Teilhabe. Stonewall war der Meilenstein, den die LSBTTIQ-Emanzipation benötigte, um Kraft und Mut zu bündeln. Ein Katalysator und Beschleuniger für eine aktivere Phase im Ringen um offene Vielfalt, rechtliche Gleichberechtigung und gesellschaftliche Akzeptanz. Auch wenn es vor und nach den Ausschreitungen in New York einschneidende Ereignisse, mutige Revolten und freiheitsbefördernde Fixpunkte in der Regenbogen-Community gab, die Einflüsse jener Ereignisse des Jahres 1969 strahlen und wirken bis heute – 50 Jahre danach – mehr als deutlich.

Und in diesem Geiste entstand schlussendlich für den Stuttgarter Revolten-Ableger, unser Christopher Street Day-Kulturfestival, das diesjährige Motto „Mut zur Freiheit“ sowie die kämpferische Freiheitsstatue als Botschafterin für das weitere Ringen um sichtbare Vielfalt.

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